Sommerhochtouren

Covid-19 und Hochtouren ab Berghütten

Nach wie vor ist die Faktenlage bezüglich der Übertragung des Virus' sehr dünn und widersprüchlich; als gesichert gilt lediglich, dass der «Chäfer» nicht einfach wundersam verschwunden ist ...
Die anfängliche Annahme, die Infektion finde ausschliesslich über Tröpfchen statt, hat zur Abstandsregel von 2m geführt: Die (grossen) Tröpfchen folgen einer ballistischen Flugbahn und sinken wegen der Schwerkraft nach 1-2m zu Boden – vor allem draussen braucht man sich somit keine Sorgen zu machen, denn das Virus trittt über die Schleimhäute am Kopf ein.
Die zweite Übertragungsmöglichkeit betrifft die sog Aerosole. Das sind kleinste (meist unsichtbare) Teilchen in der Atemluft, die so leicht sind, dass sie längere Zeit in der Umgebungsluft schweben (zB Zigarettenrauch oder der sichtbar gewordene Ausatmungshauch an einen kalten Wintermorgen) und dort eingeatmet werden. Ob eine Übertragung so stattfinden kann, ist unklar und stark abhängig von der Konzentration der Viren. Klar ist hingegen, dass schlecht gelüftete Innenräume sowie die Aufenthaltsdauer in ihnen zentral sind. Und damit sind wir bei den Berghütten, deren Massenlager oft nur über ein einziges kleines Fenster verfügen und (bei einer Schlafdauer von mehreren Stunden) somit einen ausgezeichneten Hotspot für eine Verbreitung bilden können. Auch enge Essensräume mit einer überlauten Gesprächskultur tragen das ihre bei.

So habe ich mich als Bergführer und Leiter der bergschule züri entschlossen, im Sommer 2020 auf Hochtouren ab Berghütten zu verzichten und schreibe nur wenige als Tagestouren ohne Übernachtung aus.
Diese Massnahme mag vielen als übertrieben erscheinen. Sie dient jedoch nicht nur der Gesundheit der Gäste, sondern auch jener der Bergführer, die sich zeitlich wieder und wieder diesen (zugegebenermassen) kleinen Risiken aussetzen müssen. Aber: Das Eingehen eines einzelnen grossen Risikos ist mathematisch identisch mit dem Eingehen vieler wiederkehrender kleiner Risiken ...

 

Allgemeines/Wissenswertes über Sommerhochtouren

Hochtouren sind für viele die Königsklasse des Bergsteigens. Der Weg dorthin fordert jedoch viel und verlangt, sich Ziele zu setzen und beharrlich auf diese hinzuarbeiten. Er ist anstrengend. Doch gerade deswegen – hat man erreicht, was man sich vorgenommen hat – sind die Eindrücke und das Körpergefühl schlicht grossartig.
In der Vergangenheit haben wir fast nur Hochtouren-Wochen angeboten. Diese forderten ab und zu so stark, dass danach «Ferien von den Ferien» nötig geworden sind. Um diese Probleme zu umgehen, beschränkt sich unser Angebot deshalb auf Touren von 1-4 Tagen. Die Daten wurden unter der Woche belassen, denn Wochenenden hätte volle Hütten und Hektik zur Folge. Und das mag ja wirklich niemand.

Die Bilder oben zeigen zT Touren, die nur als Privattouren, also nur mit einer oder maximal zwei Personen pro Bergführer, durchführbar sind. Falls du solche Wünsche hegst, melde dich bitte unverbindlich, entweder über +41 860 91 26 oder nachfolgend:

Ich habe Interesse an einer Privat-Hochtour ... »»»»»»»»

Wir werden die Realisierbarkeit besprechen, den finanziellen Rahmen abstecken und ein Datum festlegen. Der Preis kann nur für den konkreten Fall angegeben werden und es ist entscheidend, ob eine oder zwei Personen mitmachen, denn bei 2 Gästen reduziert sich der Preis auf nahezu die Hälfte (wobei gesagt werden muss, dass nicht jede Tour mit zwei Personen am Seil durchführbar ist).

 

Die (verbleibenden) Sommertouren 2020

Die vorläufig einzige verbleibende Tageshochtour ist jene auf den Clariden. Ob das Vrenelisgärtli als Tagestour (ohne Hüttenübernachtung) und/oder der Galenstock SE-Grat oder -Sporn (mit Hotelübernachtung/EZ) ebenfalls auf die Liste kommen, ist noch nicht klar. Beide Touren würden  mit +2h konditionell aber aber in eine bedeutend anspruchsvollere Kategorie fallen.

Clariden 1 Tag ♥♥-♥♥♥ Δ
Galenstock SE-Sporn → noch unklar 1½ Tage  ♥♥♥♥ ΔΔΔΔ
Vrenelisgärtli → noch unklar 1 Tag ♥♥♥ Δ


alpintechnisch  Δ leicht  •  ΔΔ mittel  •  ΔΔΔ schwierig  •  ΔΔΔΔ mit Hochgebirgsklettern
konditionell  ♥ leicht  •  ♥♥ mittel  •  ♥♥♥ anspruchsvoll  •  ♥♥♥♥ anspruchsvoll & Höhenproblematik


 

 

Ein Blick zurück und ein nachdenklicher in die Zukunft

Trift 2000Trift 2007HängebrückeWegen dem Abschmelzen der Gletscher – zwischen den beiden Bildern liegt eine Zeitspanne von 7 (!) Jahren (2000-2007) – mussten wir einige zumeist einsame Routen fallen lassen. Das zurückgezogene Eis und der fehlende Schnee haben instabile Geröllhalden, brüchige Felsen und aufgerissene Gletscher hinterlassen. Ein Durchkommen wurde erschwert bis unmöglich.

Mit dem Verschwinden des Schnees schon im Frühsommer hat sich auch der optische Eindruck gewandelt. Konnte man sich früher auf den Wechsel vom Grün und den Farben des Mittellandes zum Weiss des Hochgebirges freuen, hat das Letztere mehr und mehr dem Grau aperer Gletscher und Steinhalden Platz gemacht. Weil die Vegetation für das Besiedeln der Geröllfelder Zeit braucht, ist der Eindruck eintöniger geworden.

trift 1988Und so publiziere ich hier noch ein Bild, das ich 1987 (also vor gut 30 Jahren) von der selben Stelle aufgenommen habe. Damals füllte das Eis noch den ganzen Talkessel aus und reichte bis auf die Höhe der heutigen Hängebrücke hinauf – ein gigantisches Volumen, das in der Zwischenzeit verschwunden ist.

Natürlich, auch karge Landschaften gehören zum Gebirge. Sie haben schon immer dazu gehört, haben ihren Reiz und beeindrucken gestern wie heute. Was hingegen zu denken gibt ist die enorm kurze Zeit, in der sich dieser Wandel vollzogen hat und weiter vollzieht.