Folge 5: «Die HMS-Sünde»

Die beiden dynamischen Sicherungsgeräte - Tubes und HMS - versagen beide, wenn die Bremshand das Bremsseil hinter dem Gerät loslässt oder nicht richtig umfasst (nicht so die Leit- oder Sensorhand vor dem Gerät). Deshalb ist das «Bremshandprinzip» (immer mit der gleichen, stärkeren Hand bremsen) bei beiden Systemen das oberste Gebot → siehe auch Folge 6.

Bei der HMS ist der am häufigsten zu beobachtende Fehler (mit Totalversagen) der sog «Pinzettengriff» (Bild), der mit konsequentem Übergreifen aber gut umgangen werden kann. Ob die Bremshand dabei unten oder oben ist, spielt keine Rolle, denn die HMS bremst in beiden Positionen. Das Bild stammt aus einem Anfängerkurs und ist nicht gestellt.

Beim Tube kommt zu dieser Fehlerquelle (nicht ständiges festes Halten des Bremsseils) noch eine zweite dazu - ebenfalls mit Totalversagen: Das Nicht-Positionieren der Bremshand entgegengesetzt zur Zugrichtung! Dieses Gebot ist in der Praxis bei eigentlich gar nicht zu 100% umsetzbar, denn bei jedem Seilein- und ausgeben kommt die Bremshand kurz (oder oft eben länger) in die verbotene Position zu liegen. Selbst die neu proklamierte «Geräteline» funktioniert nur in der Halle einigermassen und ist am Stand letztlich undurchführbar. In einer Mehrseillängenroute, wenn die Hand unter der Bremse ist und die erste Zwischensicherung ausreisst, ist die Situation fatal, obwohl alles reflexartig richtig gemacht worden ist.

Und damit sind wir mitten in der hoch emotionalen Diskussion, welches der beiden Bremssysteme besser ist: Jenes mit zwei Möglichkeiten zum Totalversagen oder jenes mit nur einer?