Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney ...


Fall 2: «Die unheilvollen Instruktoren»

Die junge Frau – eine Anfängerin – hat im guten Glauben genau das ausgeführt, was ihr zuvor instruiert wurde. Eine kleine Gruppe wurde von deren Leiterin einige Minuten vor dem Foto (Tele-Aufnahme / nicht gestellt) so belehrt:

«Hier am Boden ist das Einhängen des ersten Express' in den Stand zwar nicht nötig; weil oben aber jeder Stand so eingerichtet wird, machen wir es hier auch»

folge2Der Sturz des Vorsteigenden wäre fatal: Falls das fast 100%-ige Versagen des ATC mit Glück hätte verhindert werden können, wäre dadurch die Frau mit hoher Wucht horizontal an den Fels geschleudert worden! Die Körpersicherung funktioniert nur dann, wenn der sichernde Körper vertikal nach oben gezogen werden kann → horizontal genügt ein kleiner Stupser, um ihn mit Händen und Gesicht voran an den Fels zu schmettern ...

Das Einhängen des ersten Express in den Stand wird in vielen Technikbüchern als Standardmassnahme gelehrt und mit idealisierten Zeichnungen illustriert. In der Praxis trifft dieses Idealbild jedoch auf die wenigsten (!) Stände zu. Die Massnahme ist - wenn überhaupt - nur dann einigermassen zu verantworten, wenn der untere Expresskarabiner deutlich höcher liegt (>0.3m) als der Kopf der sichernden Person! Solche Pauschalempfehlungen führen dazu, dass man sich am Stand wenige bis keine (!) Gedanken mehr macht über die möglichen Kräfte und deren Folgen und dass widersinnige und gefährliche «Lösungen» zum Normalfall werden!

Im Frühjahr'18 habe ich an der genau gleichen Stelle eine Gruppe angetroffen, die eben eine Instruktion ins Mehrseillängenklettern erhalten hatte – und ein Déjà-vu erlebt! Dieses Mal war es allerdings keine mir unbekannte Instruktorin, sondern ein Bergführerkollege (!), der seinen Schützlingen diesen Unsinn schmackhaft gemacht hatte ...